Höhefeld    .. ein Dorf auf der Höhe !         

                                    


Kirchengeschichtliches
und wie es zum Bau des jetzigen Gotteshauses kam ..

Erstmals wird eine Kirche in Höhefeld im Jahre 1464 erwähnt. Das Gottesdienstrecht lag damals bei der Kirchengemeinde Gamburg, welche zur Erzdiözese Mainz gehörte. Auf Bitten des Patronatsherrn Graf Johann III zu Wertheim erlangte man 1489 das Gottesdienstrecht. Dies war also 13 Jahre nach dem Tod des Pfeiferhannes von Niklashausen auf dem Scheiterhaufen.

Wie sich aus alten Plänen ersehen läßt, war die alte Kirche um einiges kleiner als die heutige und stand auch parallel zur Götzenbergstraße.

Die Grundsteinlegung war wohl vor dem Jahre 1300 und wurde von der Familie v. Stettenberg, einst Ortsherrschaft in Gamburg, initiiert, zumindest fand sich das Wappen der Familie im Schlußstein in der Vierung im Chorgewölbe.

Die Gründe für den Bau der heutigen Kirche im Jahre 1891 waren einleuchtend und sind auch in der heutigen Zeit Gründe für Neubauten jeglicher Art....: die alte Kirche war einfach zu klein, für die im Laufe der Jahre immer grösser gewordene Christengemeinde und Gottesdienstbesucher, außerdem genügte sie nicht mehr den Ansprüchen einer begüterten Gesellschaft und war nicht  modern genug.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde durch Dokumente belegt, dass die Höhefelder mit ihrer Kirche unzufrieden waren, aber auch in Sorge ob dem langsamen Zerfall der Bausubstanz.

Im Jahre 1704 wird die Kirche erweitert, und in den Jahren 1776 – 1860 werden diverse Arbeiten verrichtet, wie Innenrenovierung, Orgelreparatur, Kanzelrenovierung, Dachabdichtung...

1860 wurden dann 5 Emporbühnen eingebaut, um der Platznot Herr zu werden, allerdings erfolglos.

Die Kirche war einfach zu klein und nach langem Kampf und kurz vor dem Zusammenbruch der alten Kirche kam es zur Genehmigung und Finanzierung des Baus der heutigen Kirche.

Treibende Kraft dazu war vor allem Pfarrer Heinrich Rudolf Kobe.

Die Steine für den Kirchenneubau 1891/92 wurden zum großen Teil aus dem Gewann „Schindgaul“ gewonnen und wurden in mühevoller Arbeit auf Tiergespanne verladen und an ihren Bestimmungsort gebracht.

Die Arbeiten schritten dem Bauführer aber nicht schnell genug voran und so geriet er des öfteren in Streit mit dem Maurermeister Jesberger aus Dienstadt und beschwerte sich im April 1891 über ihn bei der Großherzoglichen Bauinspektion Wertheim, unter anderem über zuwenig Arbeiter am Bau.
Bis dahin waren beschäftigt: 12 Maurer und 4 Handlanger am Bauplatz, ein Steinbrecher und 2 Handlanger im Steinbruch.
Im August meldete sich die Baubehörde zu Wort und drohte dem Mauerermeister mit Sanktionen sofern er nicht sofort auf eigene Kosten einen weiteren Mauerer einstellen würde.
Im Spätsommer 1891 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden und man machte sich an die Einteilung der Sitzgelegenheiten:
128 Sitze waren für Männer, 176 für Frauen und 130 für Kinder einkalkuliert.

 

Text der Urkunde im Grundstein
der jetzigen Kirche .. 

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und
des heiligen Geistes. Amen!

Nach langen, durch fast fünfzig Jahre sich hindurchziehenden Verhandlungen zwischen der obersten Behörde der evang. Kirche unseres Landes und zwischen der Gemeinde Höhefeld hat Gott der Herr die Freudigkeit gegeben, daß unter der Anrufung seines heiligen Namens heute der Grundstein zu dieser neuen Kirche gelegt werden kann. Ihm sei Ehre und ewiges Reich!

An derselben Stelle, auf welcher dieses neue Gotteshauses Mauern sich erheben, stand bis zum Sonntag Oculi, d. 1. März 1891 das alte Gotteshaus. Jahrhunderte hindurch hatte die Gemeinde in seinen engen Räumen und schmucklosen Mauern zur Anbetung Gottes sich versammelt und hier in Freud und Leid die Stätte der Erbauung gehabt.
Wer den Grund zu ihm gelegt und wann seine Steine zusammengefügt worden waren, darüber hat keine Urkunde Nachricht gegeben.

Der Grundstein des Hauses mochte wohl vor das Jahr 1300 zurückreichen; das Wappen der Stettenberger, das den den Schlußstein in der Vierung des Chorgewölbes bildete, wies darauf hin, daß diese Familie wohl einst die alte Kirche gegründet, wie sie auch in der Gemeinde vormals die Zehnten erhoben. Im Jahre 1706 war die Kirche nach Westen durch einen Anbau vergrößert worden, aber danach wurde sie im laufenden Jahrhunderte eng und ihre Mauern langsam zu verfallen, während die Gemeinde wuchs und ihre Gassen weiter, ihre Häuser an Haben und Gütern reicher wurden.

Altes Recht und ein Urteil des obersten Landesgerichtes vom Jahre 1843 weist dem Chorstift Wertheim die Baupflicht der Kirche in Höhefeld zu. Da aber nach Nachweis der obersten Verwaltung dieser Stiftung derhalben die Mittel fehlen, ihre Pflicht zu erfüllen, so hat zu Ehren Gottes die Gemeinde sich selber entschlossen, ein neues, würdigeres Gotteshaus zu erbauen und in seinem Hause dem Herrn wiederzugeben, was Er vor der Väter Zeiten schon an geistlichem und leiblichem Segen ihr zuvorgegeben.

Der Beschluß zum Bau der neuen Kirche wurde von der Kirchengemeinde Versammlung gefaßt am 8. September 1889; der Plan zur Kirche, wie ihn die Großh. Bezirkskommission vorgelegt hatte, angenommen am 13. Juli 1890, und am 14. September 1890 beschlossen, daß die Mittel zur Ausführung des Baues durch Anlehnen aufgebracht werden sollen, indem die Gemeinde 40 000 Mark bei der Sparkasse in Wertheim und etwa 15 000 Mark bei den eigenen Gemeindegliedern leihen dürfe.
Der Bauplan wurde am am 31. Juli 1890 auf Erlaß Nr. 7083 vonseiten der hohen kirchlichen Obrigkeit, am 22. Oktober 1890 nach Erlaß des Großh. Bezirksamtes Wertheim Nr. 15291 und die Aufbringung der Mittel zum Bauen und der Abtragung dieser Schuld innerhalb fünzig Jahren durch die oberste Staatsbehörde am 21. Januar durch allerhöchste Staatsministerialentschließung Nr. 25 genehmigt.

Am 20. Januar 1891 wurden die Arbeiten zum Kirchenneubau vergeben und am
2. März 1891 mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen, nachdem am Tage vorher der letzte Gottesdienst und zugleich zum letzten Male das h. Abendmal derselben gefeiert worden war.
Ausführender Leiter des ganzen Baues ist der Großh. Bauinspector Burkhardt in Wertheim, Bauführer Werkmeister Ludwig Adelmann von Kembach,
die Maurerarbeit ist übertragen dem Maurermeister Lorenz Jeßberger von Dienstadt, die Zimmerarbeiten dem Zimmermeister Franz Platz von Neubrunn und die Steinhauerarbeit vier Meistern in Niklashausen und Böttigheim.

Der Bau soll nach dem Voranschlag auf 56 000 Mark zu stehen kommen; die Orgel in die neue Kirche wird der Gotteshausfond, der zur Zeit ein Vermögen von 8000 Mark hat, anschaffen und zur Ausschmückung der Kirche im Januar hat eine Anzahl von Gemeindegliedern in den letzten Jahren 500 Mark gestiftet.

Die kirchliche Verwaltung der Gemeinde besteht aus folgenden Männern:

1. Pfarrer Heinrich Rudolf Kobe, seit 19. Dezember 1866
2. Kirchengemeinderat Johann Adam Hörner, Altbürgermeister, seit 30. Jan. 1865
3. Kirchengemeinderat Peter Rückert, seit 17. Februar 1887
4. Adam Deufel, seit 2. März 1988 und
5. Georg Hörner III, Bürgermeister seit 5. April 1891

Die Verwaltung der politischen Gemeinde besteht aus folgenden Mitgliedern:

1. Bürgermeister Georg Hörner III.;
2. Gemeinderat Michael Hess;
3. Gemeinderat Johann Georg Deufel V.
4. Gemeinderat Johann Georg Rückert III.;
5. Gemeinderat Johann Georg Baumann;
6. Gemeinderat Adam Deufel;
7. Gemeinderat Adam Fiederling IV.

Hauptlehrer an der hiesigen Schule ist Jakob Aichele seit 23. Oktober 1886, und seine Schule zählt 76 Kinder, während die ganze Gemeinde eine Zahl von 423 Seelen evangelischen Bekenntnisses hat.
Rechner des alten Gotteshausfonds und des neuen Kirchenbaufonds, der seit seiner Gründung im Jahre 1883 durch Stiftungen von verschiedenen Gemeindegliedern und Schenkungen vonseiten der Gemeinde auf 3000 Mark angewachsen war, ist Friedrich Fiederling, Sternwirt.

Zur Urkund dessen, was in dieser Kirche von der Gemeinde zur Zeit ihrer Gründung gesungen worden ist, und wie unsere Kinder in der Schule in ihrem Glauben unterrichtet worden sind, legen wir Gesangbuch und Katechismus unserer Kirche bei.

Und so befehlen wir dieses Haus in des dreieinigen Gottes Schutz, seine Ehre soll darin wohnen, sein Wort lauter und rein als das Wort von Gnade unseres Herren Jesu Christi darin verkündet werden und Jahrhunderte lang möge Geschlecht auf Geschlecht hier seine heiligste Stätte haben, wo Leib und Seele sich freuen in dem lebendigen Gott.
Er wolle unter dem Aufsehen seines Angesichts seine Mauern wachsen lassen und dann dieselben mit gnädiger Hand schirmen vor den Blitzen des Himmels, vor Gefahr des Feuers, vor Sturm und Wetter, vor Krieg und Wassernöten, uns aber, die wir dies Haus Ihm zur Ehre in rechtem Glauben durch unseren Herrn Jesum Christum zum ewigen Leben. Amen

Höhefeld, den 7. Mai 1891                                 Der Kirchengemeinderat
 

 

 

 gemalt von:

Maria Teresa Paulo
           (2003)