Bomberabsturz 1943 am Knollenberg ... dabei fünf überlebende und fünf tote Fliegersoldaten

 

Die zweite große Luftschlacht über Deutschland fand am 14. Oktober 1943
statt.

Am Vormittag des 14. Oktober starteten von England aus 291 amerikanische B-17 F Bomber, auch „fliegende Festungen“ genannt, um die Schweinfurter Kugellagerfabriken zum zweiten Male anzugreifen und zu bombadieren.
Dieser Tag ist als „Black Thursday“ in die amerikanische Luftkriegsgeschichte eingegangen.

Auf einer ungefähren Linie Gemünden-Wertheim-Ochsenfurt kam es zum Höhepunkt des Bombersterbens. Über 300 deutsche Abfangjäger, auch die vom Reinhardshof/Wertheim, erwarteten die B-17 Bomber und stellten sich zum Luftkampf. Dabei wurden über 60 amerikanische Bomber und 33 deutsche Flugzeuge abgeschossen.

Ein Bomber stürzte gegen 14:15 Uhr am Knollenberg auf Höhefelder Gemarkung ab.

Nach dem der überlebende Co-Pilot Charles R. Stafford nach Kriegende aus einem Gefangenlager an der Ostsee befreit wurde, gab er folgendes zu Protokoll:


„Wahrscheinlich in der Nähe von Frankfurt hatten wir zahlreiche Jägerattacken und direkten Beschuss in das Leitwerk von Raketen und zahlreicher 20- Millimeter-Munition.
Wir waren in Schwierigkeiten und konnten unsere Flugformation nicht mehr einhalten. Der Pilot William C. Bisson fragte den Navigator Charles W. Young, wie lange wir noch nach Schweinfurt zu fliegen müssten. Der Navigator Young erwiderte, dass wir noch ca. eine halbe Stunde zu fliegen hätten. Es war etwa 14:00 Uhr.

Plötzlich geriet unser erster Motor in Brand und wir bekamen Treffer mit 20-Millimeter Kanonen in den Bug. Young meldete, dass der der Bombenschütze Joseph W. Lukens dabei verwundet wurde. Unsere Instrumente reagierten nicht mehr auf den ersten und zweiten Motor. Motor Nr. zwei war beschädigt und hörte sich an wie eine Waschmaschine. Als das Seitenruder nicht mehr reagierte, schalteten wir den „AFCE“, den automatischen Piloten, ein (später erfuhr ich, dass eine Rakete unser Leitwerk getroffen hatte) und so das Seitenruder zerstört wurde.Es war ungefähr 14:10 Uhr, als der Pilot Bisson den Befehl gab, abzuspringen. Als ich an der Bugöffnung hinaus sprang war die Bugtüre bereits nicht mehr da.

Ich konnte mich nicht mehr erinnern, wer sonst noch in der Nase war. Ich sprang in ein offenes Feld, das neben einem Wald lag. Die Gegend war leicht bergig. Nachdem ich gefangen genommen wurde, brachte man mich zum hinteren Teil des Wracks unsers Flugzeugs, wo ich den unteren Schützen Richard H. Vader und einen anderen Sergeanten traf, der an der rechten Wange verwundet war.

Am Wrack sah ich einen Körper liegen, ich glaube es war der vom Bordmechaniker Sgt. Edward J. Osep. Ich konnte es nicht genau sagen, das sein Gesicht abgedeckt war, leider ließen uns die Wachen nicht nachschauen. Die dicke Hand an der Leiche sah mit Sicherheit wie seine aus.

Vielleicht ein paar hundert Meter weiter im Wald brannte es. Ich vermute, dass es die vordere Hälfte unseres Flugzeugs war.
Nachdem wir eine Stunde gewartet gewartet hatten, wurden wir drei mit einem Auto zu einem Fliegehorst (Reinhardshof) der eine Stunde vom Wrack entfernt war, gebracht. Dort wurde mein Bein behandelt, ich bekam eine Tetanus-Spritze und Morphium gegen meine Schmerzen. Am nächsten Morgen wurde ich in ein Krankenhaus nach Tauberbischofsheim gebracht.

Um die Lage des Wracks genauer zu bestimmen, erinnerte ich mich an eine Straße, die etwa 100 Meter von der Absturzstelle entfernt war. Rechts und links standen Bäume an der Straße, wenn ich mich recht erinnere gab es dort ein kleines Dorf (Höhefeld) auf der anderen Seite des Hügels, etwa eine Meile südlich von dem Wrack entfernt, welches wir auf der Fahrt zum Fliegerhorst durchfahren haben.
Das war alles woran ich mich erinnern konnte. Ich hoffte, dass ich Ihnen ein paar Informationen geben konnte, um die Gräber der gefallenen Crewmitgliedern zu finden. In der Nähe des Wracks stand damals ein blond gelocktes deutsches Mädchen von etwa zehn Jahren, das erstaunlich gut englisch sprach und nur einen leichten Akzent aufwies. Sie schimpfte ein wenig mit mir, doch dann übersetzte sie der Wache und den Bauern, was ich wollte und mein Bein gebrochen sei“.


Nachdem der Copilot Charles R. Stafford und vier seiner Kameraden in das Verhörlager nach Oberursel gekommen waren, wurden sie anschließend in ein Kriegsgefangenenlager nach Barth an der Ostsee überstellt.

Nach der Befreiung 1945 wurden sie in dem Lager „Lucky Strike“, einem Lager bei Le Havre gesammelt und nach Kameraden befragt. Danach kehrte Stafford zurück in seine Heimatstadt Portland/Oregon.

Die auf der Höhefelder Gemarkung „Knollenberg“ abgestürzte B-17-F, Serien Nr. 42-30727 gehörte der 306. Bomber-Gruppe der 367. Bomber-Squadron an. Fünf Crewmitglieder fanden den Tod und wurden nach dem „Missing-Air-Crew Report Nr. 817 zuerst in Höhefeld und Kembach beerdigt. ( vier in Höhefeld und einer in Kembach).

Nach dem Krieg wurden drei Flieger auf einen amerikanischen Soldatenfriedhof in Saint Avold (Lothringen) verlegt. Auf Wunsch der Angehörigen überführte man zwei Fliegersoldaten nach Amerika.


Weitere Informationen zum Absturz

Die Absturzstelle und die Wrackteile wurden die ganze Nacht über durch mehrere Höhefelder Männer bewacht. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde dabei noch ein junger überlebender Soldat von der Wachmannschaft entdeckt. Dieser hatte sich nach dem Absturz in einem hohen Maisacker versteckt. Nach seiner Festnahme wurde er für die folgende Nacht, auch zu seiner eigenen Sicherheit, in die Arrestzelle im Höhefelder Rathaus gebracht und am folgenden Tag auf den Reinhardshof nach Wertheim überstellt.   
                                                   
Quellenangabe:  Willi Heid (82) Augenzeuge


Der Augenzeuge H. R. (87) berichtet über den Absturz, dass er mit einem Kuh-Furwerk vom Gewann "Neuen Morgen" aus in Richtung Dorf unterwegs war. Über dem Maintal war der Luftkampf im vollen Gange und ein Bomber flog brennend direkt auf das Dorf zu.
Zwischen dem "Strüthwald" und dem Dorf brach das Flugzeug in zwei Teile auseinander und bekam dadurch die Richtung zum Knollenberg, wo es dann an zwei Stellen, auf Feld und im Wald aufschlug. Auch kann er sich an zwei oder drei Fliegersoldaten erinnern, die noch mit ihren Fallschirmen in der Luft waren.
H. R. gehörte zusammen mit M. F.  und W. D. zu den jungen Männern, die Nachts an der Absturzstelle Wache schoben; dabei auch den Soldaten aus dem "Maischacker" fanden und in das damalige Rathaus brachten.

Helmut Fiederling (92) berichtet, dass er während des Absturzes bei Pflügearbeiten im Gewann "Saure Wiesen" war, als sich ein abgebrochener
Propellerflügel des Bombers nur wenige Meter neben ihm senkrecht in den Ackerboden "bohrte". Auf dem gleichen Acker waren 1937 die archäologischen Funde aus der "Schnurkeramikzeit" gemacht worden.


 
Quellenangabe: Privat