Höhefeld    .. ein Dorf auf der Höhe !         

                                    


Der Textbeitrag auf dieser Seite über den Fund aus der Schnurkeramikzeit
in Höhefeld ist aus der "Wertheimer Zeitung" vom 24. März 1937 (Staatsarchiv
Wertheim) reproduziert


  Der Höhefelder Fund

Eine besondere Überraschung konnte gestern der Historische Verein „Alt-Wertheim“ seinen Mitgliedern machen.
Prof. Dr. Ernst Wahle aus Heidelberg gab einen Bericht über die Ausgrabungen in Höhefeld, die gerade am gestrigen Dienstag beendet worden waren.
Zunächst gab Prof. Ernst Wahle Aufklärung darüber, warum in unserem Bezirk so wenig frühgeschichtliche Funde gemacht werden.
Das liegt an der Gesteinsformation, da im Buntsandstein die Bedingungen für menschliche Ansiedlungen bedeutend ungünstiger waren, als etwa im Löß oder Muschelkalk.

Auch dieser Höhefelder Fund wurde im Löß gemacht – der erste frühgeschichtliche Fund im Wertheimer Bezirk!!
Viele ganz besondere Glücksumstände wirkten mit, um diesen Fund zutage treten zu lassen und seiner Auswertung zuzuführen.

Dank gebührt dem Bürgermeister von Höhefeld, der noch rechtzeitig von diesen Funden Mitteilung machte, die nur 45 Zentimeter unter dem Boden in einer Rübenmiete lagen.

Sie bestehen aus einigen Rippen, den beiden Beckenschaufeln, Mittelfußknochen, einem Ellenbogengelenk und einem Unterarmknochen eines Erwachsenen. Die Gesamtlänge des liegenden Skeletts betrug 130 Zentimeter, so war die Lage der Knochen ein Beweis dafür, daß der Verstorbene in Hockerstellung beigesetzt wurde.

Weiter wurde ein kleines Steinbeil gefunden und Gefäßreste von zwei Gefäßen, und wenig entfernt Knochenreste eines kleinen Kindes.

Die Bodenfärbung des Grabes war etwas dunkler als die umgebende Lößerde.

Mit den bereits vorher gefundenen Stücken dieses Grabes läßt sich folgende Deutung vorläufig finden: Nach den Steinbeilen und der Schnurkeramik der Tonbecher muß der Fund in die Steinzeit verlegt werden, etwa 3000 -1600 v. Chr.

Aus den vorhandenen Scherben lassen sich die Gefäße in ihrer Form wieder rekonstruieren. Bei dem einen Becher handelt es sich um ausgesprochene Schnurkeramik, die Verzierung des anderen besteht aus Querrippen; eine große Seltenheit in der Zeit, der dieser Becher
eingegliedert werden muß. Eine Parallele läßt sich jedoch hier mainabwärts finden, wo der Main aus dem Buntsandstein austritt.

Vermutlich würden sich in der Höhefelder Gegend noch weitere Gräber feststellen lassen, und da die Sohle des gefundenen Grabes nur 45 Zentimeter tief lag, dürften einer Suche hier auch keine allzugroßen Schwierigkeiten im Weg stehen.

Das Grab gehört dem sogenannten „Streitaxtvolk“ an, das seine Toten sowohl in Hügelgräbern wie auch in flacher Erde beisetzt in einem nebeneinander der Bestattungs-formen.

Über die weiteren endgültigen Resultate, vielleicht über weitere Funde wird wohl ein andermal Genaues gesagt werden können. Jedenfalls hat sich hier wieder einmal gezeigt, von welche Wichtigkeit es ist, bei derartigen Knochen- und Scherbenfunden rechtzeitig die zuständige Stelle zu benachrichtigen; denn allein so ist es möglich aus den unverändert liegen gebliebenen Resten Rückschlüsse auf die Frühgeschichte zu ziehen und unersetzliche Werte vor der Vernichtung zu bewahren.

Der Zeitzeuge Helmut Fiederling (92) an der Fundstelle von 1937 ......  im Herbst 2014


In Dietenhan waren in der letzten Zeit ebenfalls Funde gemacht worden, die gleich dem Historischen Verein zur Kenntnis gebracht wurden. Leider mußte jedoch hier festgestellt werden, daß die Röhrenknochen ähnlichen Funde aus Tropfstein bestehen.
Trotz dieser Enttäuschung ist es immer besser, ähnliches sofort weiter zu melden, als aus Nachlässigkeit oder Unachtsamkeit vielleicht wichtige Funde zu vereiteln.

Für alle Mitglieder jedoch, die den gestrigen Abend im „Schwan“ mitmachten, war der kurze Vortrag von Prof. Dr. Wahle und die Ansicht der Fundstücke eine schöne Überraschung und ein neuer Anreiz, weiter zu arbeiten im Sinn der Heimat.



Die Bilder zeigen Prof. Dr. Ernst Wahle, die originalen Fundstücke, die im "Tauberfränkischen Landschaftsmuseum" in Tauberbischofsheim ausgestellt sind sowie den Zeitzeugen Helmut Fiederling, der als Jugendlicher zeitweise bei den Ausgrabungen anwesend war...


... aus den FRÄNKISCHEN NACHRICHTEN 10/01/2015
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